Zukunftstagung: Qualitätsmanagement und Förderung von Nahwärmeanlagen

Am 22.09.2016 fand in der Stadt Salzburg die Zukunftstagung Qualitätsmanagement und Förderung von Nahwärmeanlagen statt. 25 ExpertInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol und Slowenien, darunter Vertreter von Ministerien, Förderstellen, Energieagenturen und Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft QM Holzheizwerke und Betreiberorganisationen diskutierten über die Zukunft der (Biomasse-)Nahwärme.

Nach einer Vorstellung des Qualitätsmanagements für Holzheizwerke und Wärmenetze in der Schweiz, Deutschland und Österreich, stellten die verschiedenen Länder ihren Status Quo und zukünftige Herausforderungen im Bereich der Förderung von Nahwärmeanlagen vor.

Am Nachmittag kam Andreas Müller (TU Wien) in seinem Vortrag über die „Zukunft des Wärmemarktes“ zu dem Schluss, dass angesichts der in Österreich niedrigen Sanierungsrate, auch in Zukunft Gebiete mit hoher Siedlungsdichte mit Fernwärme versorgt werden und es mittelfristig zu einem Zuwachs von erneuerbaren Energieträgern und Fernwärme kommen wird.

Harald Schrammel (AEE INTEC) machte in seiner Präsentation „Nahwärme der Zukunft vs. Herausforderungen im Bestand“ darauf aufmerksam, wie wichtig es ist Bestandsprojekte durch Optimierung auf den Stand der Technik zu bringen, um diese weiterhin wirtschaftlich betreiben zu können. Gleichzeitig ist es essentiell, möglichst rasch grundlegende Standards und Kriterien für die neuen Wärmenetztechnologien festzulegen, da Fehler, die jetzt gemacht werden, lange nachwirken. Wärmenetze sollten als Teil übergeordneter Energiesysteme betrachtet werden. Dementsprechend sind neben den Biomasseheizwerken auch alle bereits jetzt oder vielleicht zukünftig nutzbaren Energiequellen, Technologien und Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Energienetzen (Strom, Gas) und anderer Infrastruktur (Abwärmequellen, Abwassernetz,…) mit zu betrachten.

Im Nahwärmebereich gibt es viele Herausforderungen und Fragestellungen im Hinblick auf Förderungen, Qualitätskriterien und Qualitätsmananagement:

  • Gezielte Fördermaßnahmen um die Effizienz von Bestandsanlagen zu steigern und diese zukunftstauglich zu machen (technisch und wirtschaftlich)
  • Leitfaden bzw. standardisierte Vorgangsweise zur Anlagenoptimierung - QM Optimierung (Arbeitstitel)
  • Standards für die Lastregelung von Biomassekessel
  • Herausforderungen bei Ascheentsorgung, Emissionen und sonstigen gesetzlichen oder politischen Rahmenbedingungen
  • Wirtschaftlichkeit und Betreibernachfolge von Biomasseheizwerken
  • Forcierung des zielgerichteten Einsatzes von Biomasseheizwerken, dort wo hohe Effizienz und Auslastung zu erwarten ist und höhere Temperaturniveaus erforderlich sind: z.B. Prozesswärmeversorgung in Industrie und Gewerbe
  • Technische Standards für die Einbindung von verschiedenen Wärmeerzeugern in Wärmenetze
  • Entwicklung geeigneter rechtlicher Vorlagen (Verträge, Geschäftsmodelle) und erster grundlegender technischer (Mindest-)Standards sowie Auslegungs- und Beurteilungskriterien für die Errichtung und Förderung von
    • Niedertemperaturnetzen, kalten Wärmnetzen,
    • Abwärmenutzung (auch von kleineren Abwärmequellen), Prosumernetzen und
    • sonstigen neuen Wärmenetztechnologien.
  • Vermeidung von widersprüchlichen Förderungen und Förderkriterien
  • Synchronisierung/Abstimmung von Förderungen innerhalb von Förderstellen und von verschiedenen Verwaltungs- und Förderstellen (z.B. Bund, Länder,..) – Stichwort konsistentes Förderregime
  • Wirkungsvolle Kriterien für die Vergabe von Förder-Boni
  • Interessenskonflikte: Bioökonomie/Biomasse im Wald vs. stoffliche Nutzung vs. energetische Nutzung
  • Betrachtung von Alternativszenarien mit geringerer energetischer Biomassenutzung (bei Preiserhöhung von Biomasse, z.B. aufgrund verstärkter stofflicher Nutzung als Grundstoff für die chemische Industrie o.ä.)

⇒Vorstufe zu QM Wärmenetze (Arbeitstitel): Welche Systeme machen Sinn, welche nicht? Welche Rahmenbedingungen sind dafür erforderlich?  

⇒Schrittweise Weiterentwicklung zu QM Wärmenetze: für ein detailliertes QM-System für Wärmenetze gibt es derzeit noch zu wenige Erfahrungen; Ziel: stärkere Trennung der QM-Systeme für Erzeugung und Netz mit beliebigen Wärmequellen

Übergeordnet müssen für Nahwärmeanlagen unabhängig von Energiequelle und Technologie auch die regionale Wertschöpfung und die volkswirtschaftlichen Effekte betrachtet und in alle Überlegungen miteinbezogen werden.

Um langfristig eine Steigerung der Qualitätsstandards der geförderten Anlagen zu erreichen, ist die Kopplung des Qualitätsmanagements mit dem Förderungssystem bzw. die Implementierung von Qualitätskriterien als Förderungsvoraussetzung essentiell. Nur so kann die Einhaltung von Effizienzkriterien gewährleistet werden. Um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen, wird eine Weiterentwicklung des bestehenden QM-Systems für Biomasseheizwerke und Nahwärmenetze in Richtung Anlagenoptimierung und Wärmenetze auf Basis unterschiedlichster Wärmeerzeuger und Technologien angestrebt. Wichtige Voraussetzung für die Unterstützung und Förderung von erneuerbaren Wärmenetzen und dem für einen nachhaltigen Erfolg notwendigen Qualitätsbewusstsein sind die Ausbildung und Vernetzung aller Akteure. Dementsprechend ist beabsichtigt, den bei der Zukunftstagung gestarteten Vernetzungs- und Abstimmungsprozess in ähnlicher Form und Besetzung weiterzuführen.

 

Veröffentlicht am 28.09.2016