Entwicklung von Biogas in Österreich

Ausgelöst durch das erste bundesweit einheitliche Ökostromgesetz im Jahre 2002 stieg die Anlagenzahl und die installierte Leistung zwischen Anfang 2002 und Ende 2007 von ~ 15 MWel. auf insgesamt knapp 80 MWel. an.

Im Zuge der ersten und zweiten Energiekrise kam es in ganz Österreich zu vielen Diskussionen über die Möglichkeiten der inländischen Energieaufbringung und Schaffung von Importunabhängigkeit. Alle in dieser Zeit entstandenen Techniken vereint der Überbegriff erneuerbare Energien. Eine davon ist die Biogastechnologie. Bereits im Jahrhundert davor von der Natur abgeschaut und zwischendurch teilweise geringfügig genutzt schlummerte die Technik aber bis zur Energiekrise dahin. Hier begannen Pioniere mit der Vergärung von Klärschlämmen, Industrieabwässern, Wirtschaftsdüngern und organischen Abfällen. Ende des vorigen Jahrtausends kam aufgrund von gesetzlichen Vorgaben, Ökostromgesetze der Länder, erstmals etwas Schwung in die Szene. Neben der Errichtung von Anlagen mit Hauptzweck Eigenenergieversorgung bzw. Abbau von Organik in den Abwässern kam nun auch der Energieverkauf als weiteres Tätigkeitsfeld hinzu.

Ausgelöst durch das erste bundesweit einheitliche Ökostromgesetz 2002 und die Einspeiseverordnung vom Dezember 2002 stieg die Anlagenzahl und die installierte Leistung zwischen Anfang 2002 und Ende 2007 von ~ 15 MWel. auf insgesamt knapp 80 MWel. an. Hatten Biogasanlagen vor dieser Zeit eine durchschnittliche Größe von ~ 30 kWel. so stieg diese auf ~ 270 kWel. an. Zudem erfolgte ein wesentlicher Wechsel beim Substrateinsatz. Waren die Anlagen vor 2002 geprägt vom Wirtschaftsdüngereinsatz mit einer geringfügigen Vergärung von organischen Abfällen so setzen die nach 2002 errichteten Biogasanlagen Großteils nachwachsende Rohstoffe und Wirtschaftsdünger ein (80 % der installierten Leistung).

2007 stiegen die Rohstoffpreise massiv an und man erkannte zudem, dass die Wartungskosten weit höher lagen als angenommen. Die Stromgestehungskosten aus Biogas lagen damit deutlich über den verordneten Einspeisetarifen. Zudem führte die Novellierung des Ökostromgesetzes zu einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen die die gesamte Ökostrombranche in Österreich zum Stillstand führte. So gab es 2010 lediglich 2 Einreichungen für Neuanlagen, die restliche Steigerung der Engpassleistung ist auf Anlagenerweiterungen zurückzuführen. Als Ausgleich für die gestiegenen Rohstoffkosten wurde 2008 der Rohstoffkostenzuschlag eingeführt.

Mit der Ökostromgesetznovelle 2012 versucht der Gesetzgeber wiederum die Attraktivität in den Ausbau von Ökostrom zu steigern. Für die bestehenden Biogasanlagen wurde der Betriebskostenzuschlag eingeführt. Damit können nunmehr neben den Mehrkosten der Substrate auch die wesentlich höheren Wartungskosten, mit bis zu 4 Cent/kWhel., abgegolten werden. Zudem wurde den Forderungen der Branche mit einem Technologie- und KWK Bonus Rechnung getragen. Ebenso kam es zu einer Festsetzung eines Ausbauzieles und eines eigenen Kontingentes für Biogas und feste Biomasse. Mit diesem kann zwar das Ausbauziel nicht erreicht werden, es können aber sehr wohl Neuanlagen im Ökostrombereich errichtet und die Technik somit weiterentwickelt werden. Gerade im Bereich des Technologiebonus in Verbindung mit dem KWK Bonus sind positive Entwicklungen zu erwarten.

Die rund 300 österreichischen Biogasanlagen geben jährlich zwischen 520 und 550 GWhel. Ökostrom in das Stromnetz ab. Hatten die Kleinst-BHKW vor 2002 noch einen elektrischen Wirkungsgrad von unter 30% so konnte dieser einerseits durch technische Entwicklungen und andererseits durch größere BHKW auf durchschnittlich 37 % erhöht werden. Neben der Ökostromproduktion fällt in der KWK Anwendung Wärme an. Dank der in den letzten Jahren stattgefundenen Investitionen in die Wärmenutzung konnte der Brennstoffnutzungsgrad kontinuierlich erhöht werden und beträgt derzeit durchschnittlich 60%.

Neben der Produktion des Biogases wird in österreichischen Biogasanlagen derzeit rund 1,3 Mio. t Dünger in Form von Gärprodukten produziert. Dadurch können Treibhausgasemissionen (rund 60.000 t CO2äq), vor allem in der Stickstoffdüngerproduktion, eingespart werden. Aber auch der Nährstoffrücklieferung aus der Verwertung von biogenen Abfällen kommt hier große Bedeutung zu.

Zusätzlich zur direkten KWK Anwendung des Biogases gibt es derzeit 9 Biomethanaufbereitungsanlagen, wobei zwei nicht mit dem Erdgasnetz verbunden sind, 2 Biogasanlagen eine Tankstelle betreiben und 8 gekoppelt sind mit KWK-Anlagen. Zwei der Gasaufbereitungsanlagen sind Kläranlagen bzw. Kläranlagen inklusive einer Verarbeitung von organischen Abfällen (Mehrfachnennungen möglich). Mit der derzeit installierten Leistung von rund 1.300 Nm³ Biomethan (rd. 5,5 MWel.äq) können theoretisch 7,6 Mio. Nm³ Biomethan pro Jahr produziert werden. Zum Vergleich: 2011 lag der österreichische Erdgasverbrauch bei rund 8,5 Mrd Nm³. Diese Einspeisungsanlagen ermöglichen erstmals den günstigen Transport sowie die elegante Lagerung von erneuerbarer Energie via Erdgasnetz. Immerhin haben die österreichischen Erdgasleitungen eine Gesamtlänge von rund 40.000 km und die Speicherkapazität liegt bei knapp 7.500 Mio. Nm³ (teilweise mit internationaler Nutzung). Außerdem liegt Transportleistung wesentlich über dem de Stromnetzes. Durch die Einrichtung des Biomethanregisters Austria im Jahr 2012 ist der Nachweis von eingespeistem Biomethan möglich. Für die Diversifikation der Anwendungsmöglichkeiten von Biogas stellt dies einen wesentlichen Entwicklungsschritt dar.

Veröffentlicht am 07.07.2014