Nachlese zur klimaaktiv Messtechnikschulung

Energieflüsse transparent darstellen: das „Röntgenbild“ des Unternehmens

Wie können Energieflüsse im Unternehmen praxistauglich gemessen und für den Anwender sinnvoll dargestellt werden? Dieser Frage ging die klimaaktiv Schulung zur Messtechnik am 13. und 14. November 2019 bei Futtermittelhersteller Garant-Tiernahrung nach. Das Training wurde von der Österreichischen Energieagentur im Rahmen von klimaaktiv, der Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), veranstaltet.

Am ersten Tag im Garant.Haus, in Pöchlarn, stand insbesondere die Messung von Temperatur und Durchflüssen im Fokus.

Richard Spilka, Vertriebsleiter Instrumentation der Firma Testo, zeigte in seinem Vortrag die Unterschiede verschiedener Temperaturfühler zur Messung an Oberflächen, in Flüssigkeiten und in plastischen Stoffen. Weitere Themen waren die Thermografie und Funk-Datenloggersysteme zur raschen Übertragung und transparenten Darstellung der Klimamesswerte inklusive einstellbarer Alarmfunktion per SMS- und E-Mail.

Alex Thomschke, Produktmanager Durchfluss von Endress+Hauser Österreich, erläuterte in seiner Präsentation die unterschiedlichen Messverfahren von Durchflussmessungen. Neben den Gegebenheiten vor Ort und den unterschiedlichen Eigenschaften der zu messenden Medien gibt es eine Vielzahl von weiteren Einflussfaktoren, die für ein genaues Messergebnis relevant sind. „Daher gibt es kein bestes Messverfahren, aber ein für jeden Anwendungsfall am besten geeignetes Messprinzip“, so Thomschke. Mittlerweile existieren für eine Vielzahl von Messaufgaben praxisrelevante Lösungen, die auch in vielen Unternehmen eingesetzt werden.

Martin Stastka von Fluke erklärte Durchflussmessung an Lüftungsanlagen mittels Hand-Flügelradanemometer und Staudrucksonden. Weitere Themen umfassten den Motoranalyzer, bei dem ohne mechanische Sensoren die Betriebseigenschaften von Motoren gemessen werden.

Konstantin Kulterer von der Österreichischen Energieagentur wies auf die Bedeutung eines klaren Messplans vor Durchführung der eigentlichen Messung hin, wie er im klimaaktiv Messleitfaden vorgeschlagen wird. In diesem Plan soll der Messzweck, die Systemgrenze und die zu messenden Größen und deren geplante Auswertung dokumentiert werden. Neben den eigentlichen Schlüsselparametern wie elektrische Leistung und Betriebsstunden sind auch andere Faktoren wie Produktionsmenge und -qualität oder Umgebungsbedingungen mit aufzunehmen.

Armin Zingerle, Geschäftsführer von netconnect, informierte über die Infrastruktur zur Zählerdatensammlung, Speicherung und Visualisierung und stellte neue Systeme auf diesem Gebiet vor, die sich insbesondere durch rasche Installation auszeichnen. Er präsentierte anschauliche Beispiele aus seiner jahrelangen Praxis bei der Beratung, dem Energiemonitoring und der Darstellung von Energieverbräuchen als „Röntgenbild“ von Anlagen und Gebäuden in der Industrie und Dienstleistungsbetrieben. „Die Investition in Energiemonitoring rentiert sich normalerweise bereits mit dem Auffinden einer einzigen Maßnahme!“, betonte Zingerle.

Werner Schöffer, Geschäftsführer von ARTEMES, wies bei der Schulung insbesondere Industriebetriebe auf die Veränderung in der Stromversorgung hin. Aufgrund neuer Entwicklungen bei Netzteilen, Frequenzumrichtern und elektrischen Vorschaltgeräten, deren Schaltfrequenzen im vielfachen Kilohertz-Bereich liegen, ändern sich notwendige Kabelquerschnitte und das Erfordernis für elektronische Filteranlagen steigt. „Neun von zehn Problemen, die mit der Spannungsqualität im Industriebereich zu tun haben, sind hausgemacht!“, bestätigte Schöffer.

Die Firma Garant-Tiernahrung war der Gastgeber für den Praxisnachmittag, bei dem die Messtechnikexperten von netconnect, Fluke und ARTEMES ihren raschen und unkomplizierten Messaufbau bei realen Anlagen im industriellen Konnex unter Beweis stellten. Dabei wurden die Fördermenge für die Umkehrosmoseanlage erfasst, die Netzauswirkungen eines 375-kW-Frequenzumrichters für einen Mühlenmotor bestimmt und die elektrische Leistungsaufnahme weiterer Mühlenmotoren gemessen und in den Vortragsraum übertragen. Außerdem wurden neben der Leistungsaufnahme der aktuelle Betriebspunkt und die Effizienz eines großen Pressenmotors ermittelt.

„Wir konnten durch diese Veranstaltung intern das Know-how zur Durchführung von Messungen erhöhen und unseren externen Gästen unsere modernen Produktionsanlagen und Datenanbindung näherbringen“, zeigte sich Dieter Herbst, Prokurist und Bereichsleiter Produktion bei Garant-Tiernahrung, überzeugt.

Veröffentlicht am 09.12.2019