Nachlese zur klimaaktiv Druckluftschulung

Anwendung von Industrie 4.0 im Bereich Drucklufttechnik

Industrie-4.0-Technologien können einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz in Betrieben leisten. Insbesondere Firmen im Bereich Druckluft zeichnen sich durch innovative Nutzung der Digitalisierungsmöglichkeiten aus. Predictive Maintenance, Cloud Computing, Visualisierung und Energiemanagement sind dort keine Zukunftsvisionen mehr, sondern bereits Stand der Technik.

Wie kann daher die Druckluftbereitstellung und Drucklufterzeugung durch Nutzung von Industrie 4.0 optimiert werden? Dieser Frage ging die klimaaktiv Schulung zum Thema „Druckluft & Industrie 4.0“ im Oktober 2019 in Tirol nach. Die Schulung wurde von der Österreichischen Energieagentur im Rahmen von klimaaktiv, der Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), veranstaltet. Unterstützt wurde die Veranstaltung außerdem durch die Wirtschaftskammer Tirol und Standortagentur Tirol.

Heinz Farthofer, Vertriebsleiter von KAESER Kompressoren, gab eine Einführung in die Drucklufttechnik und stellte die vielfältigen Steuerungs- und Auswertemöglichkeiten moderner Druckluftanlagen vor. Hersteller von Druckluftkompressoren bieten in diesem Bereich eine Vielzahl von Technologien an, wie z. B. umfangreiche Sensorik und Datenanalyse zu Condition Monitoring und Predictive Maintenance.

Christian Gerl, chriger GmbH, sieht Messung als die beste Möglichkeit, Einsparpotenziale zu erkennen. „Ein wichtiger Punkt dazu ist die Datenerfassung und Aufbau eines Monitoringsystems. Wir setzen bereits in vielen Betrieben Messkonzepte um, die Verbrauchsmessungen bis in die unterste Ebene – also den Einzelverbraucher – umfassen.“

Ungefähr 50 % der gesamten Druckluft werden für Blasanwendungen eingesetzt. Katharina Dietl-Drack von Silvent: „Überall, wo über offene Rohre Druckluft zum Trocknen, Kühlen, Reinigen, Materialtransport oder Sortieren im Produktionsprozess eingesetzt wird, besteht Einsparpotenzial. Wir designen individuelle Luftmesser und -vorhänge für die jeweilige Anwendung. Blasdüsen können damit bis zu 70 % der aufgewendeten Energie einsparen, oft mit Amortisationszeiten von wenigen Monaten.“

Noch immer sind in vielen Betrieben Leckagen die größten „Druckluftverbraucher“. Martin Stastka von Fluke stellte eine sehr effiziente Möglichkeit zur Leckagendetektierung im Industriebereich, bei vollem Betrieb, mittels einer speziell für diesen Anwendungszweck entwickelten industriellen akustischen Kamera vor. Damit erläuterte er die Frage, wie Energie und Geld gespart werden könnte, wenn Schall sichtbar wäre.

Der zweite Tag der Schulung fand beim klimaaktiv Projektpartner Jenbacher Innio statt:

Andreas Bratschitz von Schneider Electric vermittelte die umfangreichen Möglichkeiten, die sich durch die Vernetzung von Produkten und darauf aufbauend die Erfassung und Analyse von Daten auf der Plattform zu Energiemanagement ergeben. Der letzte Schritt beinhaltet dann das intelligente Eingreifen auf Basis von Echtzeitinformation und damit der laufenden Optimierung der Anlage.

Rudolf Raunig von Jenbacher Innio erläuterte Nutzung von künstlicher Intelligenz zur Gesamtoptimierung der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs und stellte auch die transparente Überwachung der Druckluftanlage inkl. Leckagen-Früherkennungssystem vor.

Highlight der Veranstaltung war die Betriebsbesichtigung bei Jenbacher Innio.

Konstantin Kulterer von der Österreichischen Energieagentur: „Wir sind überzeugt, dass durch die intensivere Beschäftigung mit Möglichkeiten zur Energieeinsparung in den Produktionsprozessen und damit den eigentlichen Druckluftverbrauchern noch enormes Einsparungspotenzial gefunden werden kann.“

Veröffentlicht am 09.12.2019