Druckluftfreie Fabrik

Der Vergleich zeigt: Druckluft ist unter den betrieblichen Energieträgern der ineffizienteste: nur rund fünf bis zehn Prozent der aufgewendeten Energie können effektiv genutzt werden.

So benötigt ein 6,5 kW Druckluftmotor beispielsweise so viel Energie wie 20 Elektromotoren gleicher Leistung. Umso sinnvoller erscheint daher die Diskussion um effektive Alternativen.
Das klimaaktiv Programm energieeffiziente Betriebe lud daher zum Workshop „Druckluftfreie Fabrik – Optimierung von Druckluftverbrauchern“, um sich eingehend und praxisnah mit der Thematik auseinanderzusetzen. Christian Gerl, chriger GmbH sieht die wichtigsten Einsparmaßnahmen, wie vor allem drehzahlgeregelte Anlagen, übergeordnete Steuerung und die Vermeidung von Leckagen in vielen Betrieben bereits umgesetzt. Daher ist es höchste Zeit, sich den Verbrauchern zuzuwenden: „In vielen Anwendungsgebieten wie Materialförderung, Reinigung, Kühlen und zur Vakuumerzeugung ist Druckluft oftmals fehl am Platz. Noch dazu ist Druckluft bis zu 20 Mal teurer als Strom, daher sollte genau überlegt werden wo Druckluft unbedingt erforderlich ist. In vielen Fällen lassen sich durch gezielte Verbraucheroptimierung und Druckluftsubstitution zwischen 50 und 90 Prozent Energie sparen.“

Für den Ersatz von druckluftbetriebenen Schraubwerkzeugen durch elektrisch betriebene Alternativen sprechen zudem eine Menge weiterer Faktoren. So erklärte Wolfgang Baumann, Geschäftsführer von AWB: „Insbesondere die Möglichkeit von Überwachung und Steuerung, die mögliche Drehzahlveränderung während des Schraubens und die geringere Lärmbelastung sind die Entscheidungsfaktoren, warum unsere Kunden elektrische Schraubwerkzeuge bestellen.“

Thomas Pänitsch, Inhaber von EnergySave Consulting, erläuterte die Rahmenbedingungen, unter denen es gelang, die
bisher mit Druckluft gekühlten Sensoren und Kameras in Hochöfen über ein Niederdrucksystem zu kühlen und dabei rund
80 Prozent der notwendigen Energie zu sparen.

Genereller Ersatz möglich?
Den generellen Ersatz pneumatischer Aktoren durch elektrische Antriebstechnik betrachtet der technische Leiter von SMC Pneumatik, Clement Pucher, kritisch: „Wir bieten beide Technologien an und können daher unvoreingenommen die Projekte bewerten. Eine pauschale (oftmals rein energetisch getriebene) Beurteilung ist seriös nicht möglich, es gilt, die spezifischen Applikationsanforderungen von Fall zu Fall zu bewerten. Durch den Ersatz von Druckluft kann viel Energie eingespart werden, allerdings ist der Energieverbrauch nicht das alleinige Entscheidungskriterium. Insbesondere bei längeren Haltevorgängen, einfachen Bewegungen („Anschlag zu Anschlag“) und Anwendungen, die hohe Kraft und Dynamik gleichzeitig erfordern, bleibt Druckluft die erste Wahl. In der Praxis sollten auch komplementäre Lösungen ins Auge gefassst werden, um die Vorteile beider Technologien zu nutzen.“

Die Verbraucher können aber nicht nur ersetzt, sondern auch optimiert werden: Ca. 50 Prozent der gesamten Druckluft
werden für Blasanwendungen verwendet. Dazu Marion Essl von Silvent: „Wir treffen auch in Großbetrieben immer wieder
Anwendungen, wo über offene Rohre Druckluft zum Trocknen, Kühlen, Reinigen, Materialtransport oder Sortieren im Produk-tionsprozess eingesetzt wird. Wir designen individuelle Luftmesser und -vorhänge für die jeweilige Anwendung. Blasdüsen können damit bis zu 50 Prozent der aufgewendeten Energie einsparen, oft mit Amortisationszeiten von wenigen Monaten.“

Konstantin Kulterer, der den klimaaktiv Workshop geleitet hat, ist überzeugt: …“dass durch die intensivere Beschäftigung mit Möglichkeiten zur Energieeinsparung in den Produktionsprozessen und damit den eigentlichen Druckluftverbrauchern noch enormes Einsparungspotenzial erhoben und letztlich auch genutzt werden kann.“

Weitere Trainings im Rahmen von klimaaktiv sind geplant:

  • Dämmung betriebstechnischer Anlagen am 24. September 2018 in WIEN
  • Optimierte Wärmeverteilung am 25. September 2018 in WIEN

 

Interessierte Firmen, Expertinnen und Experten melden sich bitte bei eebetriebe@klimaaktiv.at, nähere Informationen finden Sie auf https://www.klimaaktiv.at/energiesparen/schulungen.html

 

Veröffentlicht am 17.07.2018