Ökostrom = Grüner Strom = nachhaltig?

Zwischen Anbietern von Strom gemäß Umweltzeichen Richtlinie UZ 46 (oder vergleichbaren Zertifikaten) und jenen Stromanbietern, die 100 % Strom aus erneuerbaren Energieträgern ausweisen, gibt es einen Unterschied!

„Wenn ich für ein Bauprojekt die Verwendung von „Ökostrom“ plane, dann ist ein höherer Strombedarf im Objekt doch kein Problem.“

Diese Ansicht wird häufig vertreten, doch so einfach ist die Sache nicht. Die erste Frage ist, wie kann sichergestellt werden, dass über viele Jahre tatsächlich Strom aus erneuerbaren Quellen bezogen wird. Die zweite Frage lautet: was verbirgt sich hinter dem Begriff „Ökostrom“ tatsächlich?

klimaaktiv Bildung hat die Faktenlage kurz aufbereitet:

Den Bezug von Strom aus erneuerbaren Quellen langfristig sicherzustellen, das ist kaum möglich. Den Stromanbieter zu wechseln, das war nie so einfach wie jetzt. Internet Plattformen bieten nicht nur einen Vergleich der Stromanbieter, sondern auch gleich den Start zur formalen Abwicklung des Energieanbieterwechsels – alles komfortabel mit wenigen Mouse-Klicks. Welche Rolle bei der Auswahl der Klimaschutz spielt, das bleibt dem Stromkonsumenten überlassen. 

Auch wer in bester Absicht meint, klimaverträglichen Strom zu kaufen, kann leider in die Irre geführt werden. Manche Tochterunternehmen großer Energieversorger werben mit Begriffen wie „Ökostrom“, „Naturstrom“, Wasserkraft und Attributen wie „sauber“, „grün“ oder „nachhaltig“. Fakt ist, dass Energieversorger Herkunftsnachweise kaufen dürfen und damit ihrem Strom ein „grünes Mascherl“ geben. Welchen Strom sie dann tatsächlich handeln, das muss mit den Herkunftsbezeichnungen nichts zu tun haben.

Hier der erläuternde Absatz aus dem aktuellen Report des Umweltbundesamts: „Treibhausgasemissionen von Strom, Empfehlungen zur Öko-Bilanzierung“ (Projektleitung: Sabine Kranzl, 2018):

 

Achten Sie auf Zertifizierte Stromanbieter – Umweltzeichen Grüner Strom

Zwischen Anbietern von Strom gemäß Umweltzeichen Richtlinie UZ 46 (oder vergleichbaren Zertifikaten) und jenen Stromanbietern, die 100 % Strom aus erneuerbaren Energieträgern ausweisen, gibt es einen Unterschied. Dieser liegt darin, dass bei zertifizierten Stromanbietern durch die Vorgaben der Umweltzeichen Richtlinie UZ 46 sichergestellt ist, dass 100 % des Stroms aus erneuerbaren Energieträgern stammen und die jeweiligen Herkunftsnachweise gemeinsam mit den erzeugten Strommengen erworben werden. Gleichzeitig ist ausgeschlossen, dass Strom aus atomaren, fossilen oder unbekannten Quellen gehandelt wurde. Stromanbieter, die nicht zertifiziert sind, aber 100 % Strom aus erneuerbaren Energieträgern ausweisen, können aufgrund der aktuellen Rechtslage, die den getrennten Handel von Herkunftsnachweisen und Strommengen erlaubt, mit Strom aus atomaren, fossilen und unbekannten Quellen handeln und durch den Zukauf von Herkunftsnachweisen für erneuerbaren Strom dennoch 100 % Strom aus erneuerbaren Energieträgern im Versorgermix ausweisen.

 

Mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Grün-Strom-Anbieter können Sie also sicher sein, keinen Atom- oder Kohlestrom zu beziehen. Aber es geht auch um die künftige Entwicklung von Erneuerbaren Energien in Österreich. Daher verpflichten sich Grün-Strom-Anbieter darüber hinaus, in neue Anlagen zur Gewinnung von Strom aus Sonne, Wind, Biomasse und Kleinwasserkraft zu investieren. Mindestens 10 % des angebotenen Stroms müssen aus Anlagen stammen, die nicht älter als 15 Jahre sind oder in den letzten 15 Jahren revitalisiert und erweitert wurden. Mit dieser Vorgabe wird eine Dynamik im Bereich der Neuinvestitionen ausgelöst und es verhindert, dass Strom aus alten, längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken mit einem neuen Mascherl teuer verkauft wird.

Den genauen Text der Richtlinie finden Sie hier:

Richtlinie UZ 46 Grüner Strom  - Version 5.0 Ausgabe vom 1. Jänner 2018


Weitere Erläuterungen zum Thema „Ökostrom“ können Sie auch auf der klimaaktiv Lernplattform nachlesen:

Ökostrom - Grünstrom: Herkunftsnachweis

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Veröffentlicht am 07.10.2018

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