8 herausragende Bauprojekte mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet

Baukultur und Klimaschutz können Hand in Hand gehen und liefern Umsetzungsbausteine für die Zukunft.

Wien, 1. Oktober 2019. Acht herausragende Projekte wurden von Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek für außergewöhnliche Leistungen im Bereich des nachhaltigen Bauens und Sanierens mit dem Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Der Staatspreis wird vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus ausgelobt und wurde bereits zum sechsten Mal vergeben. „Die prämierten Projekte stehen beispielgebend dafür, dass höchste Ansprüche an die Baukultur und die Anliegen des Klimaschutzes Hand in Hand gehen können. Das bestärkt uns einmal mehr, unseren mit der #mission2030 eingeschlagenen Weg in Richtung der Klima- und Energiewende weiterzugehen und die Säule des nachhaltigen Bauens und Sanierens weiter zu stärken. Ich danke allen Preisträgern für ihren Mut und ihre Anstrengungen und gratuliere herzlich zu den herausragenden Ergebnissen“, betonte Nachhaltigkeitsministerin Patek.

Gleichgewicht zwischen Sanierungen und Neubauten

2019 konnten erstmals ebenso viele Sanierungsprojekte wie Neubauten ausgezeichnet werden. Ganz stark vertreten sind Bildungsbauten - ein Beleg dafür, dass im Schulbau und bei anderen öffentlich genutzten Bauwerken architektonisch anspruchsvoller Klimaschutz wirtschaftlich machbar ist. Bund, Länder und Gemeinden sind mit ihren Gebäuden als Vorreiter zentral für die Umsetzung der #mission2030, für die der Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit auch künftig viele tatsächlich „gebaute“ Leuchttürme und damit Umsetzungsbausteine liefern will.

BMNT Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit zieht erfolgreiche Bilanz

In der bisherigen Geschichte des BMNT-Staatspreises gab es insgesamt knapp 500 Einreichungen. In die engere Auswahl - und damit auf die „Shortlist“ für die begehrte Auszeichnung - schafften es mit der nun sechsten Auflage 73 Projekte. Eine hochkarätig besetzte Jury aus Architektur und Umwelt entscheidet gleichberechtigt über die Auszeichnung: Nur Projekte, die sowohl in architektonisch-gestalterischer Hinsicht als auch in den vielfältigen Kriterien der Nachhaltigkeit vollends überzeugen, erhalten einen Staatspreis. Bis heute wurden 33 Staatspreise für Architektur und Nachhaltigkeit vergeben. Prof. Roland Gnaiger, Vorsitzender der Jury: „Angesichts der ungeheuer hohen Qualitätsdichte war das Auswahlverfahren auch diesmal ein hartes Ringen. Es sei uns jedoch bewusst: unsere Preisträgerprojekte sind großartig, aber noch nicht die Lösung. Sie sind erst der Plan und der Beweis für die Möglichkeit einer Lösung. Damit diese Möglichkeit zur gelebten Realität wird, braucht es landesweit von Politik, Wirtschaft und allen an der Gebäudeentwicklung Beteiligten einen großen Schritt nach vorne, in die Zukunft. Dann haben wir mit dem Staatspreis eine wirkliche Erfolgsgeschichte auf die Reise gebracht.“

Nachhaltiger Gebäudesektor als Impulsgeber für die Wirtschaft

„Mit dem Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit wird der Beweis geliefert, dass österreichisches Knowhow in der Planung, Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Gebäude auf höchstem Niveau zur Verfügung steht“, so Patek. Die notwendige Sanierung des Gebäudebestands, die Errichtung ambitionierter Neubauten und die Neuausrichtung unserer Gemeinden und Städte hin zu klimaneutralen Siedlungen tragen zudem zu Beschäftigung und Wertschöpfung im Inland bei. Die mit dem Staatspreis ausgezeichneten Projekte stehen stellvertretend für modernste Technologien, Bauweisen und Bauprodukte, die im hohen Ausmaß von österreichischen Unternehmen bereitgestellt wurden. Der Fachverband Stein- und keramische Industrie der WKO ist zum wiederholten Mal Sponsor: „Wir unterstützen den Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit schon deshalb, weil er Innovationen für das Bauen der Zukunft aufzeigt. Die ausgezeichneten Massivbauprojekte sind Impulsgeber für die Bauwirtschaft in Österreich, zu deren Wettbewerbsfähigkeit die Stein- und keramische Industrie wesentlich beiträgt“, so DI Dr. Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbands Stein- und keramische Industrie der Wirtschaftskammer Österreich.

Die vollständige Liste der Staatspreisträger Architektur und Nachhaltigkeit 2019:

Wohnhaussanierung und Dachgeschoß-Ausbau, Mariahilfer Straße 182, Wien

  • Bauherrschaft: Doris Krappinger und Sigrid Hildebrandt
  • Architektur: Trimmel Wall Architekten ZT GmbH
  • Fachplanung: Schöberl & Pöll GmbH (Bauphysik), BPS Engineering (Haustechnik), Dr. Karlheinz Hollinsky & Partner ZT-GmbH (Statik)

Das straßenbildprägende Gründerzeithaus wurde durch eine Gasexplosion stark beschädigt. Statt Abriss und Neubau schufen Eigentümerin und Planungsteam eine gelungene Rekonstruktion mit Dachausbau. Das Treppenhaus ist lichtdurchflutet, der Hof neustrukturiert und zu großen Teilen ins erste Obergeschoß gehoben. Dank Hochleistungsdämmputz und weiterer Dämmmaßnahmen ist der Wärmebedarf deutlich reduziert. Vor sommerlicher Überhitzung schützt ein außenliegender, ästhetisch gut eingebundener Sonnenschutz.

Sanierung Bürogebäude Schanzstraße, Wien

  • Bauherr: Fünfhauslofts GmbH
  • Architektur: ostertag ARCHITECTS zt gmbh
  • Fachplanung: DI. FH Gerhard Novak IB Bauphysik, TB Ing. Heiling Ges.m.b.H (Haustechnik), Gmeiner Haferl ZT GmbH (Statik), Lindle Bukor OG (Landschaftsarchitektur)

Die Sanierung lässt die einprägsame Fassade aus den neunzehnzwanziger Jahren unberührt und konzentriert sich auf eine konsequente innenliegende Adaptierung. Statt die denkmalgeschützte Struktur der ehemaligen Pfandleihanstalt zu überformen, suchten Eigentümer und Architekt lieber einen passenden Inhalt und schufen Platz für Kreative und Start-Ups. Ein Glücksfall, so konnte die besondere Raumkonfiguration der Depots sinnvoll integriert werden. Der Endenergiebedarf wurde dank innenliegender Fenster und Wärmedämmung deutlich reduziert.

Sanierung und Erweiterung Justizgebäude Salzburg

  • Bauherr: BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
  • Architektur: Franz und Sue ZT GmbH
  • Fachplanung: KPPK Ziviltechniker GmbH (Bauphysik), Zentraplan Planungsges.mbH (Haustechnik), rajek barosch landschaftsarchitektur

Das innerstädtische Justizgebäude verlangte nach hundert Jahren eine grundsätzliche Sanierung. Der Gefängnistrakt wurde ausgelagert, der Hof von überflüssigen Einbauten befreit. An ihre Stelle tritt ein ypsilonförmiger, präzise gesetzter und vermittelnder Neubau. Offen und durchlässig gibt sich der einst hermetisch geschlossene Baublock zur Stadt. Zugänge an allen Seiten verknüpfen den Hof mit dem öffentlichen Raum. Nicht zuletzt ist die aufwändige und umfangreiche Sanierung des denkmalgeschützten Bestandes ein geradezu herausragendes Beispiel an Nachhaltigkeit.

Neubau und Adaptierung Volksschule Dorf, Lauterach

  • Bauherr: Marktgemeinde Lauterach ImmobilienverwaltungsGmbH & Co KG
  • Architektur: Architekturbüro Feyferlik/Fritzer
  • Fachplanung: SPEKTRUM Bauphysik & Bauökologie GmbH (Bauphysik), LPS GmbH (Haustechnik), DI Johann Birner (Statik)

Eine Schule wie ein Dorf. Rund um den bestehenden Schulbau formt die pavillonartige Erweiterung spielerisch-leichte Innen- wie Außenräume. Während sich die Klassen mit einer nutzbaren Doppelfassade zu den umliegenden Wohnstraßen orientieren, schlagen die Gemeinschaftsbereiche eine atmosphärische Brücke zum gemeinsamen Hof. Der alte Baumbestand wurde integriert, die Dächer intensiv begrünt. Die umfassende Berücksichtigung von Energieeffizienz, thermischen Komfort und unbedenklichen Materialien runden das Projekt ganzheitlich ab.

Neubau Volksschule Hallwang

  • Bauherr: Gemeinde Hallwang
  • Architektur: LP architektur ZT GmbH
  • Fachplanung: Ingenieurbüro Rothbacher GmbH (Bauphysik), vollSOLAR GmbH (Haustechnik), Bauingenieur Lackner Egger ZT GmbH (Statik), 3:0 Landschaftsarchitektur

Schon das Ankommen macht Freude: Der in Schichten gestaltete Vorplatz geht in eine witterungsgeschützte und multifunktional nutzbare Holzterrasse über. Dieser gelungene Raumfluss setzt sich im Inneren fort. Über eine geräumige Aula, die Einblick in Turnhalle und Lehrerzimmer gibt, führt eine breite Treppe ins abwechslungsreiche Obergeschoß. Konsequent wurde mit Bauteilaktivierung, Geo- und Solarthermie sowie ergänzender Photovoltaik ein technisches Konzept mit einfacher Bedienbarkeit realisiert.

Neubau Bundesschule Aspern, Wien

  • Bauherr: BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
  • Architektur: fasch&fuchs.architekten ZT-gmbh
  • Fachplanung: EXIKON arc&dev (Bauphysik), Werkraum Wien Ingenieure ZT GmbH  (Tragwerksplanung), Thermo Projekt GmbH (Haustechnik), Pflanz! (Landschaftsarchitektur)

Dieses Gebäude hat wenig mit den gewohnten Bildern von Schule zu tun. Während der städtische Maria-Trapp-Platz gleichsam Schulvorplatz ist, öffnen sich die Klassen als terrassierte Grünlandschaft zum Park. Die Aula ist ein großes lichtdurchflutetes Atrium und bietet zahlreiche Sicht- und Wegverbindungen. Dank des Zusammenspiels opaker und transparenter Flächen ist das Gebäude auch in der Tiefe von Tageslicht durchdrungen. Freecooling, Bauteilaktivierung, Materialwahl und Verbrauchsmonitoring zeugen vom umfassenden Nachhaltigkeitskonzept.

Neubau Universitätsgebäude TÜWI, Wien

  • Bauherr: BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
  • Architektur: Baumschlager Hutter Partners
  • Fachplanung: Buschina Partner ZT GmbH (Statik, Bauphysik), HL Technik Engineering, ppg blueberg control (Haustechnik), BOKU Arbeitsgruppe Ressourcenorientiertes Bauen (Nachhaltigkeitsberatung), rajek barosch landschaftsarchitektur

Ein begrünter Vorgarten, Gastgärten zu ebener Erde und im abgesenkten Hof, sowie eine mit Photovoltaik-Anlage gedeckte Pergola auf dem Dach: das neue Gebäude der BOKU wirkt äußerst einladend. Geschickt gegliedert passt sich das Volumen an die umliegende Villenbebauung an. So ist ein Gutteil der Nutzfläche – wie auch der große Hörsaal – unterirdisch angeordnet. Auch energetisch bringt das Vorteile. Denn Räume, die von Erde umgeben sind, benötigen weniger Energie zur Heizung und Kühlung.

Ensemble am Hannah-Arendt-Park, Wien

  • Bauherr: Wien 3420 Aspern Development AG
  • Stadtplanung: Tovatt Architects & Planners AB
  • Architektur: AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Tovatt Architects & Planners, baldassion architektur, wup_wimmerundpartner, pos Architekten ZT GmbH, Arch. Franz Kuzmich, einszueins architektur ZT GmbH, königlarch architekten, ZT Arquitectos/Zinterl Architekten, fasch & fuchs ZT GmbH
  • Landschaftsplanung: YEWO LANDSCAPES GmbH

Die Seestadt Aspern hat sich längst als attraktiver Lebensraum entpuppt. So auch beim Ensemble rund um den Hannah-Arendt-Park. Die Planung und Realisierung erfolgt unter Berücksichtigung umfassender nachhaltiger Qualitätsstandards hinsichtlich Städtebau, Baustandards, Nutzungsmix, Mobilität und Energieversorgung. Ein System, das auch offen und ehrlich von Fehlern lernt. Dabei ist ein lebendiger Ort zum Wohnen, Arbeiten und Lernen entstanden, der in ganz Europa seinesgleichen sucht.

Projektbeschreibungen

Sämtliche Details und Kurzbeschreibungen zu den Preisträgern finden sich auch in der Broschüre zum Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit
 

Über klimaaktiv

Der Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit wird seit dem Jahr 2006 vom Umweltministerium im Rahmen seiner Klimaschutzinitiative klimaaktiv ausgelobt. Mit der Entwicklung und Bereitstellung von Qualitätsstandards, der Aus- und Weiterbildung, mit Beratung, Information und einem großen Partnernetzwerk ergänzt klimaaktiv die Klimaschutzförderungen. Erfahren Sie mehr über die Ziele, Aktivitäten und Akteure auf www.klimaaktiv.at

Rückfragehinweis

Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus
+43 1 71100 - DW 606724
presse@bmnt.gv.at
http://bmnt.gv.at

Veröffentlicht am 01.10.2019

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