Thema 5 "Energie und Versorgung"

Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger gelten als Grundprinzip für nachhaltiges Bauen. Der Planungsprozess läuft auf ein Null- oder Plusenergiehaus hinaus, das zumindest jene Energiemenge erzeugt, die für die Nutzung im Gebäude benötigt wird. Dafür ist eine luftdichte und optimal gedämmte Gebäudehülle Grundvoraussetzung. Ein schlankes, effizientes und benutzerfreundliches Haustechnikkonzept muss eine hohe Nutzungsqualität bei möglichst geringem Betriebsaufwand gewährleisten.


5.1 Optimierte Gebäudehülle
5.2 Energiekennwerte
5.3 Haustechnik
5.4 Energiegewinnung am Gebäude

5.1 Optimierte Gebäudehülle


Eine luftdichte, wärmebrückenfreie und optimal gedämmte thermische Hülle ist Grundvoraussetzung für ein energieeffizientes Gebäude. Daraus leitet sich in der Folge der Heizwärmebedarf, aber auch die bauphysikalische Qualität des Bauwerks ab.


Hinweis: Die Qualitätssicherung zur Luftdichtheit sollte nicht erst im bezugsfertigen Gebäude durchgeführt werden, sondern bereits dann, wenn die dichte Ebene (Putz bis Rohbetondecke, Dampfbremse) hergestellt ist bzw. vor Einbringung des Estrichs, um Undichtheiten an den Wandanschlüssen korrigieren zu können.

Wärmebrückenoptimierung - Nachweis Mindest-Anforderungswerte sind im jeweiligen klimaaktiv Kriterienkatalog (Bürogebäude, Bildungseinrichtung, Pflegeheim,...) definiert, Kriterium A 1.3
Luftdichtheit - Nachweis Mindest-Anforderungswerte sind im jeweiligen klimaaktiv Kriterienkatalog (Bürogebäude, Bildungseinrichtung, Pflegeheim,...) definiert, Kriterium A 2.1
Wärmebrückenkatalog Fenstereinbau

Fenster spielen in der Energiebilanz energieeffizienter Gebäude eine bedeutende Rolle. Im vorliegenden Katalog werden Kennwerte für eine Vielzahl verschiedener Fenstereinbausituationen im Neubau zusammengestellt.

Wärmebrückenkatalog Fenstereinbau

 

5.2 Energiekennwerte

Energiekennwerte beschreiben die Umsetzung der bereits zu Beginn des Planungsprozesses festgelegten Energieziele zum Gebäude. Sie bilden den Einsatz von Energie für Heizung und Warmwasserbereitung eines Gebäudes im Detail ab. In einzelnen Kennwerten werden zusätzlich auch die Anlagenverluste, der haustechnische Aufwand für Kühlung und Beleuchtung oder auch die energetischen Erfordernisse der Geräteausstattung berücksichtigt. Zur Entscheidungsfindung wird immer öfter der CO2-Emissionswert aller Energieflüsse herangezogen – dieses Kriterium wird in den bautechnischen Vorgaben und Fördersystemen in Zukunft an Gewicht gewinnen.


In den baurechtlichen Vorgaben und Förderprogrammen für öffentliche Gebäude, immer stärker aber auch bei Immobilienbewertungen und Gebäudezertifizierungen, haben Energiekennwerte großes Gewicht. Die EU-Gebäuderichtlinie legt fest, dass ab Ende des Jahres 2018 neue öffentliche Gebäude als „Beinahe-Null-Energie-Gebäude“ zu errichten sind.

Heizwärmebedarf (HWB)

Der Heizwärmebedarf (HWB) beschreibt die Wärmemenge, die pro Heizperiode benötigt wird, um das Gebäude an einem bestimmten Standort auf 20° C zu halten. Passive solare Gewinne sowie benutzerabhängige „innere Gewinne“ sind berücksichtigt. Die Berechnungsmethode ist in der Ö-Norm B 8110-6 definiert. Die OIB-Richtlinie 6, Stand Dez. 2011, legt einen Maximalwert für Nicht-Wohngebäude fest, in Abhängigkeit von der Gebäudegeometrie und referenziert pro m3 beheiztem Bruttovolumen.

Darunter liegende Mindest-Anforderungswerte sind im jeweiligen klimaaktiv Kriterienkatalog  (Bürogebäude, Bildungseinrichtung, Pflegeheim,...) definiert, Kriterium B 1.1

Heizenergiebedarf (HEB)

Der Heizenergiebedarf umfasst - zusätzlich zum Heizwärme-bedarf – den Energiebedarf für die Warmwasserbereitung sowie Anlagenverluste und Hilfsenergie. Berücksichtigt wer-den auch allfällige Gewinne aus einer Solaranlage oder aus einer technischen Wärmerückführung.

Mindest-Anforderungswerte sind in Österreich nicht definiert. Die Berechnungsmethode ist in der Ö-Norm H 5066, Ausgabe März 2011, festgelegt.

Endenergiebedarf (EEB)

Gesamtenergieeffizienz-Faktor (fg) Der Endenergiebedarf bei Nicht-Wohngebäuden umfasst neben dem Heizenergiebedarf auch den Energieaufwand für Kühlung und Lüftung sowie den Strombedarf für Beleuchtung und Büroausstattung. Gewinne aus einer Photovoltaikanlage, die für die Eigenversorgung eingesetzt wird, werden gegengerechnet.

Der „Gesamtenergieeffizienz-Faktor“ (fg) ist der Quotient zwischen dem tatsächlichen Endenergiebedarf und einem Referenzwert mit Mindestausstattung; Werte <1 bezeichnen Gebäude mit gutem Energieeffizienz-Standard.

Die Berechnungsmethode ist im „OIB-Leitfaden Energetisches Verhalten von Gebäuden“ (Stand Dez. 2011) definiert.

Primärenergiebedarf (PE)

Der Primärenergiebedarf berücksichtigt den Aufwand, der für Gewinnung und Transport der eingesetzten Energieträger erforderlich ist, ebenso die Erzeugungs- und Verteilungsverluste für elektrische Energie, die im Gebäude eingesetzt wird.

Über sog. „Primärenergiefaktoren“ wird der Endenergiebedarf umgerechnet und auf m2 Bruttogeschoßfläche referenziert. Bei Bedarf kann auch zwischen "erneuerbarem" und "nicht-erneuerbarem" Primärenergiebedarf differenziert werden.
Primärenergiefaktoren, festgelegt für Österreich in der OIB-Richtlinie 6, Stand Dez. 2011 (Kap. 9, Seite 6)

Mindest-Anforderungswerte für den Gesamt-Primärenergiebedarf pro m2 sind im jeweiligen klimaaktiv Kriterienkatalog  (Bürogebäude, Bildungseinrichtung, Pflegeheim,...) definiert, Kriterium B 2.2a.

CO2-Emissionen

Die CO2-Emissionen, die durch den Energieeinsatz im Gebäude entstehen, werden auf Basis des Endenergiebedarfs über Umrechnungsfaktoren berechnet. Diese sind in der OIB-Richtlinie 6, Stand Dez. 2011, festgelegt (Kap. 9, Seite 6).

Mindest-Anforderungswerte für CO2-Emissionen pro m2 Bruttogeschoßfläche sind im jeweiligen klimaaktiv Kriterienkatalog  (Bürogebäude, Bildungseinrichtung, Pflege-heim,...) definiert, Kriterium B 2.3a

5.3 Haustechnik

Heizsystem, Warmwasserbereitung, Kühlung und Lüftung stellen die wesentlichen Komponenten für den Gesamtenergiebedarf eines Gebäudes dar. Die Planung und technische Auslegung der Hei-zungs- und Warmwasserversorgung sind von zentraler Bedeutung für eine hohe Gesamt-Energieeffizienz. Ein wichtiger Beitrag liegt in der Nutzung der solarthermischen Potenziale sowie von interner Abwärme, die bspw. für die Vortemperierung bei Lüftungsanlagen eingesetzt wird. Ob zentrale oder dezentrale Systeme die energieeffizientere Lösung darstellen hängt von der Größe des G-bäudekomplexes und der jeweiligen Nutzung ab; diese Frage muss immer situationsabhängig ent-schieden werden. Bei der Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes sind auch die Beleuchtungssysteme und die Geräteausstattung mit zu berücksichtigen.

Wärmeverteilung (Heizung, Warmwasser)

Dezentrale Warmwasserbereitung: Warmwasser ist nur in jenen Gebäudebereichen bereitzustellen, in denen es unbedingt erforderlich ist. Damit können Verluste im Speichersystem und in der Verteilung vermieden werden, hygienische Anforderungen werden besser abgedeckt.

Wärmeverteilung: Qualitätslinien für Heizungsanlagen, inkl. Ausschreibungstexte und Checklisten zur Abnahme (klimaaktiv Merkblatt)

Wasserverbrauch Sorgfältige Bedarfsermittlung für Nicht-Wohngebäude: Berücksichtigung der gebäudespezifischen Anforderungen, Auslegung nach maximalen Nutzungsanforderungen und Belegungszahlen (z.B. bei Sportanlagen).
Wärmepumpe Qualitätslinien für Wärmepumpen, inkl. Ausschreibungstexte und Checklisten zur Abnahme (klimaaktiv Merkblatt).
Energieeffiziente Komfortlüftung

Büro- und Dienstleistungsgebäude sollten über eines der folgenden Lüftungssysteme verfügen: 1) Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung mit den Mindestanforderungen an luftmengenspezifische elektrische Leistungsaufnahme und Wärmebereitstellungsgrad 2) Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Möglichkeit der natürlichen Belüftung mit Steuerung nach Temperatur, Luftgüte, Feuchte und/oder Belegung sowie automatisierter Nachtkühlung.

Mindest-Anforderungswerte sind im jeweiligen klimaaktiv Kriterienkatalog  (Bürogebäude, Bildungseinrichtung, Pflegeheim,...) definiert, Kriterium B 2.1a

Qualitätslinien für Komfortlüftungen, inkl. Ausschreibungstexte und Checklisten zur Abnahme (klimaaktiv Merkblatt)

Energieeffiziente Beleuchtung

Zur Verbesserung der Energieeffizienz der Beleuchtungssysteme stehen unter-schiedliche Zugänge zur Verfügung. Die wichtigsten Rahmenbedingungen wer-den über die richtige Lichtplanung und das Beleuchtungsmanagement im Betrieb bestimmt (Tageslichtsteuerung, Platzierung der Leuchten, Bewegungsmelder, etc.). Energieeffiziente Leuchtmittel (LED-Lampen, Kompaktleuchtstofflampen) sind dann oft der letzte entscheidende Schritt für Energieeinsparungen.

Energieeffiziente Beleuchtungssysteme – klimaaktiv Leitfaden für Betriebe und Gemeinden

 

5.4 Energiegewinnung am Gebäude

Für „Beinahe-Null-Energiehäuser“ (Nearly-zero emission buildings) lt. EU-Gebäuderichtlinie sind Energiekonzepte erforderlich, die das Gebäude auch als Standort für elektrische Energiegewinnung nützen. Diese sichert eine hohe Abdeckung des Eigenbedarfs. Überschussenergie kann über Netzanbindungen für externe Abnehmer zur Verfügung gestellt werden. Im Mittelpunkt des Interesses steht zur Zeit die Nutzung der solaren Einstrahlung für Stromproduktion über Photovoltaik. Standortkriterien und die Qualität der Module bestimmen die Leistungsfähigkeit. Das Ausmaß der Eigennutzung wird über interne Steuerung der strombetriebenen Geräte und Anlagen, zukünftig auch immer öfter über örtliche Speichermöglichkeiten optimiert.


Bei der Bilanzierung darf nur jene Energie auf der Positivseite eingerechnet werden, die im oder am Gebäude oder zumindest auf dem gleichen Bauplatz erzeugt wird. Der Zeitrahmen für die Bilanzierung ist auf ein Abrechnungsjahr ausgelegt (sog. „Netto-Nullenergiehäuser“).

Photovoltaik am Gebäude Mindest-Anforderungswerte sind im jeweiligen klimaaktiv Kriterienkatalog  (Bürogebäude, Bildungseinrichtung, Pflegeheim,...) definiert, Kriterium, Kriterium B 2.4a

 

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Veröffentlicht am 15.05.2014