Diplomarbeit: Gesamtwirtschaftlicher Vergleich von Pkw- und Radverkehr
Finanziert der Radverkehr den Autoverkehr?
In seiner Diplomarbeit an der Universität für Bodenkultur untersuchte Gregor Trunk, wie sich die gesamtwirtschaftlichen Effekte (Kosten bzw. Nutzen) der beiden Verkehrsmittel Fahrrad und Pkw auswirken. Dazu werden verschiedene Indikatoren wie Gesundheitsnutzen, sowie Betriebs-, Reisezeit-, Infrastruktur-, Lärm-, Unfall-, Schadstoff- und Klimakosten herangezogen und monetär bewertet.Bei den internen Effekten (Kosten für die NutzerInnen) ist aufgrund der hohen Zeitkostenbewertung das Fahrrad mit rund 83 Cent/km internen Kosten kaum billiger gegenüber dem Pkw mit rund 94 Cent/km internen Kosten. Hingegen schlägt das Fahrrad das Auto bei den externen Effekten (Kosten für die Allgemeinheit) deutlich aufgrund der stark positiven Wirkung von regelmäßiger Bewegung auf die Gesundheit von Radfahrenden mit einem externen Nutzen von 81 Cent/km gegenüber externen Kosten von 4 Cent/km beim Pkw.
In einem weiteren Schritt wurden Verkehrsszenarien für die Stadt Wien berechnet. Ausgehend vom aktuellen Modal Split Wiens (4 % aller Wege von Fahrradfahrern, 25 % aller Wege von Pkw-Lenkern zurückgelegt) wurden zwei weitere Szenarien untersucht. Bereits beim Status Quo erzeugt das Fahrrad einen externen Nutzen von 224 Mio. Euro / Jahr, hingegen erzeugt der Pkw-Verkehr externe Kosten von rund 189 Mio. Euro pro Jahr. Mit den beiden Szenarien (steigender Radverkehrsanteil) ist die volkswirtschaftliche Gesamtbilanz immer positiver, dank des großen externen Nutzens des Radverkehrs.
Der Hauptgrund warum das Fahrrad im volkswirtschaftlichen Vergleich deutlich besser abschneidet als der PKW ist die starke positive Wirkung von regelmäßiger Bewegung auf die Gesundheit von Radfahrenden. Laut WHO wird durch regelmäßige Bewegung wie 30 Minuten Radfahren im Alltag das das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darm- und Brustkrebs sowie Typ II Diabetis gesenkt. Das Sterberisiko ist bei RadfahrerInnen um 28% geringer als bei Nicht-RadfahrerInnen.
Bei der Berechung der Gesundheitswirkung kam der vom Lebensministerium für Österreich zur Verfügung gestellte WHO Kalkuklator HEAT for Cycling zum Einsatz.
Neben dem Spaß am Radfahren bleibt somit den RadfahrerInnen auch noch die Gewißheit mit Ihrer umweltfreundlichen und gesunden Mobilitätsform der Volkswirtschaft jährlich Gesundheitskosten in Millionenhöhe zu ersparen.
Diplomarbeit: Abstract und Volltext
Presse-Artikel: Studie: Radler zahlen für Pkw-Verkehr
23.05.2011


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