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KeepCool II
Foto: tokamuwi/pixeli...

Nachhaltiger Sommerkomfort – Erfolge aus den letzten drei Jahren

Der Sommerkomfort für die Nutzer eines Gebäude wird meistens noch mittels herkömmlicher Klimageräte bereitgestellt. Nicht nur in südlichen Ländern, sondern auch in Österreich steigen die Klimatisierungskosten stetig an. Um diesem Trend entgegen zu wirken, wurde das Nachfolgeprojekt von KeepCool initiiert: KeepCool II – Transformierung des Marktes von „Kühlung“ zu „nachhaltigem Sommerkomfort“. Das Projekt wurde nun abgeschlossen und kann überzahlreiche Ergebnisse und Fortschritte in diesem Bereich berichten.

In heute noch immer üblichen Gebäudeplanungsprozessesen sind Architekten oft gezwungen, das Erreichen angenehmer klimatischer Bedingungen im Gebäude den Haustechnikplanern zu überlassen, die wiederum keinen Einfluss auf Entscheidungen über die Gebäudehülle oder Beleuchtungssysteme, nicht einmal über die Anordnung der Räume haben, obwohl diese die Platzierung der haustechnischen Anlagen bestimmt. So wird Innenraumkomfort vorwiegend durch aktive Massnahmen erreicht, d.h. durch Kühlung und Belüftung unter Verwendung von elektrischer Energie. Das Resultat dieser Kompetenzverteilung ist eine große Anzahl von Gebäuden, die weniger angenehm zu bewohnen und teurer zu bauen sind als es möglich wäre. Obendrein entstehen Betriebskosten, die um ein Vielfaches höher sind als dies bei Berücksichtigung von nachhaltigem Sommerkomfort nötig wäre.

Um diesen Prozess umzukehren und das Angebot „nachhaltigen Sommerkomfort“ zu etablieren, wurden die beiden aufeinander folgenden Projekte KeepCool und KeepCool II initialisiert.
Ziel des Projektes KeepCool II war es durch verschiedene Maßnahmen die herkömmliche Kühlung mittels Klimageräten durch Maßnahmen zur Erreichung von nachhaltigem Sommerkomfort zu ersetzen, d.h. angenehme Arbeits- und Umgebungsbedingungen bei minimalem Einsatz fossiler Energieträger zu gewährleisten.

In Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology, der AEE INTEC sowie SLS Praun & Gerstmann GmbH und dem Bundesverband Sonnenschutztechnik Österreich konnten in den letzten drei Jahren erhebliche Erfolge erzielt werden.

Durch die vielen Verbreitungsaktivitäten seitens der Projektmitglieder konnte das Bewusstsein für nachhaltigen Sommerkomfort bei Bauherren und Planern erheblich gesteigert werden. Verschiedene professionelle Netzwerke wurden auf diese Thematik aufmerksam gemacht und angehalten, auch diesen Aspekt der Betriebskosten bei der Planung genau unter die Lupe zu nehmen.
Zentrales Element bei allen Veranstaltungen und weiteren Aktivitäten waren die 9 Schritte zum nachhaltigen Sommerkomfort:

(1) Definieren Sie die genauen Komfortkriterien mittels adaptivem Komfortmodell, wenn möglich.

(2) Achten Sie auf die Ausrichtung des Grundstückes und Eigenschaften der Umgebung welche den Sommerkomfort beeinflussen könnten.

(3) Kontrollieren und reduzieren Sie die Wärmegewinne an der äußeren Oberfläche der Gebäudehülle.
 
(4) Kontrollieren Sie den Wärmefluss durch die Gebäudehülle.
 
(5) Reduzieren Sie interne Lasten.

(6) Ermöglichen Sie lokale und individuelle Anpassungen.
 
(7) Nutzen Sie passive Maßnahmen um die überschüssige Wärme aus dem Gebäude zu entfernen.

(8) Verwenden Sie aktive solar unterstützte Kühlanlagen.
 
(9) Falls notwendig, setzen Sie hoch effiziente konventionelle Kühlanlagen ein um die restliche Wärme aus dem Gebäude zu entfernen.
 
(10) Informieren Sie die Facility Manager und Nutzer über die richtige Nutzung, Überwachung und Wartung des Gebäudes.
 
Die Simulationsergebnisse aus dem Projekt waren ein weiterer Baustein der Weiterbildungsmaßnahmen. Sie bestätigen, dass außenliegende Verschattung einen erheblichen Teil zu den Energieeinsparungen beiträgt.
 
Der Bundesverband Sonnenschutztechnik Österreich hat daher Produktsteckbriefe mit typischen Energiekennwerten für Sonnenschutz- und Verschattungslösungen als Planungshilfe beigesteuert.
Als weitere Unterstützung für Gebäudeeigentümer, -nutzer, technische Fachkräfte sowie Wartungspersonal wurden Leitfäden zu folgenden Themen erstellt:
  • Integration von nachhaltigem Sommerkomfort in die Beschaffung
  • Kauf von effizienter Büroausstattung und Beleuchtung
  • Verhaltensregeln für Mieter und Vermieter um nachhaltigen Sommerkomfort zu forcieren
  • Beauftragung von Architekten und Planern, die integrierte Planung beherrschen 

Die Einflussnahme auf Normen und Richtlinien zur Forcierung von nachhaltigem Sommerkomfort war ein weiterer Teil des Projektes:

Die Zielsetzung bei der Neufassung der ON B 8110-3 war es, sommertauglich zu bauen ohne aktive Kühlmaßnahmen unter Berücksichtigung von Speichermasse, natürlicher Lüftung und Sonnenschutz als geeignete passive Maßnahme.
Um dies zu erreichen wurden einige Änderungen vorgenommen.

Ein Beispiel:
Ist ausreichendes Lüften durch z.B. Umgebungslärm problematisch und fehlt Speichermasse auf Grund von Leichtbauweise, bleibt der Sonnenschutz als wichtigster Faktor zur Vermeidung von Überhitzung übrig.
Ziel war es z.B. realistische Werte für Sonnenschutzsysteme - dem Stand der Technik entsprechend - anzunehmen.
 
Damit nicht nur singulär die Vermeidung der Kühllast im Zentrum der Planung steht, wurde angestrebt, Maßnahmen zu ergreifen, um thermischen und visuellen Komfort als Ganzes in die Planung einfließen zu lassen. 
 
Alle Ergebnisse und Leitfäden sowie weitere Informationen zu diesem Projekt sind ebenfalls unter www.keep-cool.eu ersichtlich.
 

28.06.2010