Passivwohnanlage Samer Mösl
Langwied, Salzburg
Architektur und Nachhaltigkeit sind auch unter den Beschränkungen des sozialen Wohnbaus möglich. Mit der Passivwohnanlage „Samer Mösl“ in Salzburg wurden in mehrfacher Hinsicht Meilensteine für zukünftige Wohnbauten gesetzt.Trotz schwieriger Rahmenbedingungen für den Architekt, da das Projekt finanziell beschränkt war und das Gebäue auf einem Untergrund aus Moor und Seeton steht, ist es gelungen einen vielfältigen, bunten Lebensraum zu schaffen. Die Vielfalt bezieht sich sowohl auf die architektonische Idee als auch auf die Ansprüche eines nachhaltigen Bauwerkes.
Einerseits soll der Baustil, mit den vielen „Klüften“ in den Fassaden und durchschlängelnden Wegen zwischen den Häusern, an die Furchen im Boden, die einst ein Fluss gezogen hat, erinnern. Andererseits hat das Wohnhaus einen sehr niedrigen Energiebedarf, da vor allem Sonnenenergie und kontrollierte Wohnraumlüftung wesentlich zur Energieversorgung beitragen. „Es ist hell, man muss nicht heizen und es ist immer gute Luft“, fasst eine Hausbewohnerin das Passivhaus-Konzept zusammen.
Die in den Klüften integrierten Balkonloggien tragen außerdem nicht nur zur Rhythmisierung und Auflockerung der Gebäude, sondern bieten auch attraktive, halb geschützte, halb exponierte rund 11 m2 große Freibereiche für die Wohnungen
Projektdetails:
Nutzung: Wohnanlage mit 60 Wohneinheiten in 3 Gebäuden
Gebäudeart: Neubau einer Passivhaus-Wohnanlage
Fertigstellung: 2006
Energiekennzahl: HWB 8 kWh/m²a BGF (Energieausweis)
Energiekonzept und -system
Eine 200 m² große Solaranlage mit 22.000 l Puffer-Schichtspeicher (Durchmesser: 1,6 m; Höhe 11 m) und Solar-Glattrohrwärmetauscher mit einer Gesamtoberfläche von 70 m² versorgt die Siedlung mit Wärme und Warmwasser. Der Restenergiebedarf wird durch eine kostengünstige Biomasse-Heizanlage (Pellets) gedeckt.
Lüftungsanlage mit WRG, Wärmebereitstellungsgrad 90 %
Regenwassernutzung zur Bewässerung der Grünbereiche, die mit heimischen Gehölzen bepflanzt sind
Baubiologie und Nutzungskomfort
Der Einsatz von Beton beschränkt sich auf das Kellergeschoss und die Stiegengerippe. Die Außenwände bestehen ausschließlich aus vorgefertigten, zellulosegedämmten und diffusionsoffenen Holzriegelelementen, die Decken aus Kreuzlagenholzplatten. Alle freien Dachflächen sind extensiv begrünt, die Wege sind nur minimal versiegelt, das Regenwasser wird zur Bewässerung genutzt. Geölte Holzböden, Holz-Alufenster;
Tiefgarage natürlich belüftet und belichtet. Die Freiflächen zwischen den Häusern sind autofrei, großer Abstellraum für Fahrräder.
Bauherr: Heimat Österreich gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsges.mbH
Architektur: sps- architekten zt gmbh, Thalgau
Haustechnik: Technisches Büro Stampfer GmbH, Salzburg
Holzbau: Holzbau Meiberger GmbH
“Die Besichtigung an Ort und Stelle erwies sich wieder einmal als Korrektiv zu allen Einschätzungen, die von Abbildungen, von zweidimensionalen Plänen oder Renderings ausgehen. Was auf Fotos noch sperrig und mäßig „interessant“ gewirkt haben mochte, entpuppte sich vor Ort als vollkommen stimmiges Milieu, als Transformation einer „ortlosen“ Stadtperipherie in ein formal unprätentiöses Wohnquartier - vom Baukörper bis in alle Details innovativ durchdacht. Dies ist umso bemerkenswerter, als es sich nicht um Luxuswohnungen, sondern um alltäglichen, geförderten Sozialmietwohnungsbau mit seinen bekannten Limits handelt, mit „Einweisungen“ aus den Vormerklisten der Stadtgemeinde.“
Jurykommentar
27.05.2010


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