Studie zur Bewohnerzufriedenheit und Energieperformance von sechs Wiener Passivhaus-Wohnanlagen
Wie zufrieden sind die Bewohner einer Passivhaus-Wohnanlage, und wie sieht es mit der tatsächlichen Energieeinsparung im Vergleich zu konventionellen Wohnhausanlagen aus? Auf diese Fragen hat die Wiener Wohnbauforschung Antworten gesucht und drei Experten mit einer Studie beauftragt.
Roman Smutny und Martin Treberspurg vom Department für Bautechnik und Naturgefahren der Wiener Boku sowie Alexander Keul vom Fachbereich Psychologie der Uni Salzburg analysierten sechs Wiener Passivhaus-Wohnanlagen. Drei in Floridsdorf (Mühlweg, Bauplatz C, sowie Kammelweg, Bauplätze B und E), zwei in Simmering (Dreherstraße 66 und Roschégasse/Pantucekgasse) und eines in Penzing (Utendorfgasse).Wohnzufriedenheit und reale Energieperformance dieser Gebäude wurden in der Folge mit ausgewählten Wohnhausanlagen verglichen, die in derselben Bauperiode im Niedrigenergiehausstandard errichtet wurden. Das Energiemonitoring umfasste insgesamt 1.367 Wohnungen, wobei 492 Wohnungen in Passivhausstandard ausgeführt wurden und die Ergebnisse der Messungen der AEE INTEC (Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie - Institut für Nachhaltige Technologien) berücksichtigt wurden. Die sozialwissenschaftliche Analyse umfasste insgesamt 581 Wohnungen, wovon 425 Wohnungen den Passivhausstandard erreichen.
Hohe Wohnzufriedenheit
Fazit der Analyse: Passivhäuser werden von ihren Bewohnern überaus gut angenommen, und die Wohnzufriedenheit steigt mit der Wohndauer sogar noch an. Fünf Passivhausanlagen erzielten bessere Werte bei der Wohnzufriedenheit ihrer Bewohner als die Niedrigenergiehäuser, eines lag auf demselben Niveau.
230 Euro pro Jahr weniger an Heizkosten
Bei der Analyse der Energieperformance zeigte sich, dass Passivhaus-Wohnhausanlagen für die Raumheizung insgesamt etwa 17 kWh/m² pro Bruttogrundfläche und damit um rund 30 kWh/m² oder etwa zwei Drittel weniger als vergleichbare Wohngebäude im geförderten Wohnbau (Niedriegenergiehausstandard) derselben Errichtungsperiode verbrauchen. Dies bedeute eine durchschnittliche jährliche Einsparung von etwa 2,5 MWh Energie, rund 230 Euro an Kosten (Kostenbasis Sept. 2009) und 520 kg CO2-Äquivalente pro Haushalt.
Wichtig sei aber, dass nicht nur die Heizkosten, sondern die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes betrachtet wird. Und hier habe sich gezeigt, dass trotz des Energiebedarfs für die Belüftung von Passivhäusern der Gesamtenergieverbrauch eines Niedrigenergiehauses in jedem Fall über dem eines Passivhauses liegt. Für die zukünftige Entwicklung neuer Wohngebiete müsse eine umfassende Betrachtung der Gesamtenergiebilanz von Gebäuden zur Anwendung kommen. Aufbauend auf dem Passivhausstandard müsse zusätzlich die Effizienz der Heiz- und Lüftungsanlage sowie der Einsatz erneuerbarer Energieformen berücksichtigt werden.
Baukosten gleichen sich an
Die Baukosten bei einer Passivhaus-Wohnanlage sind verglichen mit einem Niedrigenergiehaus höher, gleichen sich aber zunehmend an. Wichtigster Faktor bei beiden Energieklassen ist die Kompaktheit des Baukörpers, also das Verhältnis von Außenflächen zu Nutzfläche ("Hüllflächenfaktor"). Ab einem Hüllflächenfaktor von 0,45 haben Niedrigenergie- und Passivhaus annähernd die gleichen Baukosten, errechneten die Studienautoren.
Weitere Details dazu erfahren Sie in der Kurzfassung der Studie:
Link zur Wiener Wohnbauforschung: www.wohnbauforschung.at
23.11.2009


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