Energieautarkie Symposium am 5. März 2010 in Wels
Österreichweites Energieautarkie-Symposium für Gemeinden zeigte BürgermeisterInnen Wege in die Energie-Unabhängigkeit
Energieautarkie bedeutet den Schritt in Richtung lokale Energieunabhängigkeit, d.h. die Nutzung regional vorhandener, erneuerbarer Energieressourcen zur vollständigen Deckung der Bedürfnisse in einer Gemeinde oder Region. Neben einer langfristigen, nachhaltigen und sicheren Energieversorgung können so lokale Arbeitsplätze geschaffen werden- welche Gemeinde möchte das nicht?
Mit der Umsetzung der „10 Schritte in die Energieautarkie“ kann jede Gemeinde dieses Ziel erreichen. Welche Schritte das sind und wie sie in der Praxis umgesetzt werden können, war Thema des größten österreichweiten Symposiums zum Thema Energieautarkie, das speziell für BürgermeisterInnen, GemeinderätInnen und GemeinderepräsentantInnen am 5. März 2010 in Wels von klima:aktiv, dem Klimaschutzprogramm des Lebensministeriums, organisiert wurde.
In Vertretung von Minister Berlakovich, der zeitgleich die Welser Energieparmesse eröffnete, begrüßte Sektionschef Günter Liebel die zahlreich erschienenen BürgermeisterInnen aus ganz Österreich zum Symposium. In ihrem Eröffnungsvortrag zeigte die renommierte Klimaforscherin Prof. Helga Kromp-Kolb die Zusammenhänge zwischen Treibhausgasen und Erderwärmung auf und wies auf die Energieautarkie als einen wesentlichen Beitrag zur Verminderung der negativen Auswirkungen der Klimaveränderungen hin.
Bürgermeister der Energieautarkie-Vorreitergemeinden Güssing (Peter Vadasz), Langenegg (Georg Moosbrugger) und Windhaag (ehem. Bürgermeister Alfred Klepatsch) zeigten in ihren Impulsreferaten unterschiedliche Wege in Richtung Energieautarkie auf. Während die Güssinger vor allem im Bereich Energieversorgung aus erneuerbaren Energien Pioniere waren und sind, setzen die Windhaager stark auf Windkraft und Bürgerinformation, anschaulich dargestellt in der Energieausstellung „Unser Weg nach Übermorgen in die Energieunabhängigkeit“, die die Zusammenhänge in der Energiebilanz derGemeinde zeigt.
Der Langenegger Weg versucht die Synthese aus Energieeffizienz und Energieversorgung durch Biomasse und Wasserkraft mit großer Vorbildwirkung vor allem im Bereich Passivhaussanierung.

Foto: Bgm. Peter Vadasz, Güssing; Alt-Bgm. Alfred Klepatsch, Windhaag, Bgm. Georg Moosbrugger, Langenegg
An dieses Thema schloss der Vortrag „Energieautarkes Rathaus“ von Thomas Lewis, Physiker und Experte für energieautarke Gebäude an. Am Ende des ersten Blocks des Symposiums stand der renommierte Energiewirtschaftler Michael Cerveny mit einer Analyse des nahenden globalen Oil-Peaks und seiner Auswirkung auf die Verfügbarkeit von fossilen Energievorräten und deren Preisentwicklung.
Die Organisatoren des Symposiums, Heimo Bürbaumer und Fritz Hofer, Leiter der Programme „klima:aktiv e5“ und „klima:aktiv vor ort“ konnten über den Besuch der Veranstaltung mehr als zufrieden sein. Das Symposium im außergewöhnlichen Ambiente der Minoriten in Wels war mit mehr als 110 GemeinderepräsentantInnen und 30 ExpertInnen ausgebucht. Dies zeigt das rege Interesse der Lokalpolitik an der Idee der Energieautarkie.
Im 2. Block wurden die Wege zur Energieautarkie für Gemeinden und Regionen im Detail vorgestellt. Heimo Bürbaumer, verantwortlich für Konzeption und Inhalt des Symposiums, stellte in seinem Impulsvortrag die derzeitige Energieautarkie-Situation in Österreich vor (die gesamten Ergebnisse der ersten österreichweiten Studie zu diesem Thema werden in Kürze veröffentlicht) sowie die Prinzipien, unter denen Energieautarkie als multiplizierbares Modell für Gemeinden funktionieren kann.
Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, präsentierte für die TeilnehmerInnen des Symposiums das aktuelle Förderprogramm des Klima- und Energiefonds mit Bezug auf Gemeinden und Regionen, sowie eine Aussicht auf kommende Ausschreibungen.

Foto: Dr. Heimo Bürbaumer (Impulsvortrag des Veranstalters), DI Ingmar Höbarth (GF Klima- und Energiefonds)
Den zweiten Puzzlestein für Gemeinden neben „Finanzierung und Förderung“ stellt die Beratung und methodische Unterstützung von lokalen Entscheidungsträgern durch Energie- und Klimaschutzprogramme dar. Die beiden überregionalen Energie- und Klimaschutznetzwerke Klimabündnis und e5 wurden durch Co-Veranstalter Mag. Fritz Hofer vom Klimabündnis, sowie Adi Groß, Obmann von „e5 Österreich“ und Geschäftsführer des „Energieinstitut Vorarlberg“ präsentiert, für das oberösterreichische Gemeindeprogramm E-GEM sprach Gerhard Dell, Geschäftsführer des OÖ Energiesparverband.

Foto: Mag. Fritz Hofer (Klimabündnis), Dr. Adi Groß (Obmann von e5 Österreich), Dr. Gerhard Dell, GF OÖ Energiesparverband
Den dritten Puzzelstein für Gemeinden trug Johannes Fechner, Bildungskoordinator von klima:aktiv, vor. Er sprach unter anderem über klima:aktiv Profis, ein Qualitätssicherungsprogramm für IngenieurInnen und HandwerkerInnen im Bereich der Energieautarkie. Abschließend gab er einen Überblick über weitere klima:aktiv-Angebote und Informationen für Gemeinden.

Foto: DI Johannes Fechner (Bildungskoordinator von klima:aktiv), Diskussionsmöglichkeit mit Fragen an die Experten
Im zweiten Teil des Symposiums hob Umweltminister Nikolaus Berlakovich die Bedeutung der Gemeinden und Regionen für die österreichische Klimaschutzpolitik hervor und betonte die Bedeutung der „Energieautarkie“ als Leitidee für Österreich: „Die Gemeinden und Regionen sind die Motoren unserer Klimaschutzpolitik. Nur wenn unsere Gemeinden und Regionen erfolgreich den Weg in die Energieautarkie gehen, kann Österreich als ganzes sich diesem Ziel annähern.“
Am Nachmittag fand der interaktive Teil des Symposiums, ein World Cafe mit GemeindeexpertInnen und GemeinderepräsentantInnen, sowie VertreterInnen aus Vorreiterregionen, wesentlicher klima:aktiv Programme und Klimaschutznetzwerke statt. In einer lockeren, kreativen Atmosphäre nach Art eines Cafes wurde in Gruppen, thematisch aufgeteilt nach den „10 Schritten in die Energieautarkie“, Chancen, Hindernisse, Lösungsansätze und Strategien des jeweiligen Schrittes für Gemeinden und Regionen erarbeitet.
Jeder Gemeinderepräsentant konnte insgesamt an 3 Tischen teilnehmen. Die gesammelten Ergebnisse wurden zum Abschluss von den „Tischgastgebern“ dem Plenum präsentiert. Moderiert wurde das World Cafe von Stephan Fickl und Heimo Bürbaumer.

Foto: Beim World Cafe diskutierten GemeindevertreterInnen gemeinsam mit ExpertInnen und Umweltminister Berlakovich über Wege in die Energieautarkie

Foto: v.l.n.r.: Dr. Adi Groß, Organisatoren: Mag. Fritz Hofer, Mag. Stephan Fickl, Dr. Heimo Bürbaumer, Gäste: Di Johannes Fechner, Prof. Helga Kromp-Kolb
Alle Fotos der Veranstaltung finden Sie unter folgendem Link:
http://www.artista.at/fotos.aspx?fid=50077
12.05.2011


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